Viel Beifall für das neue Programm von Fatal Banal
Die alternative Karnevalssitzung Fatal Banal begeht in dieser Session ihren 20. Geburtstag. Am Freitag feierte das neue Programm voller Seitenhiebe auf das aktuelle Zeitgeschehen Premiere im Bürgerzentrum Ehrenfeld.

Von Jürgen Schön

Die Vuvuzela ist für europäische Stadien ungeeignet? Die Herren der UEFA, die das Verbot für die ohrenbetäubende südafrikanische Fußball- Tröte verhängten, sollten einmal die alternative Karnevalssitzung von „Fatal banal" besuchen: Dort entlockt man ihr die sanften Töne des Beatles-Oldies „Yesterday". Eine von vielen mitreißenden Nummern des diesjährigen Programms. Es hatte am Freitag im Bürgerzentrum Ehrenfeld Premiere und wurde vom Publikum zu Recht mit viel Beifall gefeiert.
Ebenfalls köstlich der Büttenreden-Dialog als Running Gag, der allein mit dem gedruckten Wort geführt wird. „Ich bin alleine", klagt da der eine auf seinem Papier und fordert, den Konkurrenten zu rufen. Natürlich auch wieder schwarz auf weiß. Das Publikum gehorcht. Und erweist sich auch beim Liederraten „Lala lala lala" als textkundig und sangesfreudig. Der Themenbogen ist weit gespannt. Da landet etwa das pleitegegangene Griechenland als Sonderangebot bei Aldi. Ob allerdings Costa Cordalis für 0,99 Cent den Staatsbankrott vermeiden kann, darf bezweifelt werden. Bundeswehrsoldaten ersetzen nach der Abschaffung der Wehrpflicht in den Krankenhäusern die Zivildienstleistenden und können dabei nicht so richtig zwischen Kampfeinsatz und Bettpfannenpflege unterscheiden.
Traditionell ist auch die Proll-Mutter (Susanne Hermanns) von Chantall wieder dabei. Diesmal sucht sie im Internet einen Freund für ihre Tochter, die ist nämlich schon 17 und hat immer noch keinen. Ihre Mutter dagegen in diesem Alter! Die Hessin Sabine Putzler darf wieder in Köln landen und dabei auf die Deutsche Bahn schimpfen. Dem Umfeld der Venloer Straße werden zahlreiche kleine, liebevolle Charakterstudien gewidmet, türkischer Macho inklusive. Schließlich führt „Präsi" Christoph Stubbe in bewährter Manier durchs Programm und sorgt für die tagesaktuellen Spitzen zur lokalen und internationalen Politik.
Zum 20-jährigen Bestehen präsentieren sich die neun Semiprofis auf der Bühne und das Sextett vom „Fatal Banal-Hausorchester" frisch und spielfreudig wie immer. Dass die Instrumente wieder einmal zu oft die Texte der Sängerin übertönen, dass auch dieses Jahr zwei, drei Nummern etwas zu lang geraten sind (...) das stört weiter nicht. In der hautnahen Atmosphäre des Bürgerzentrums gehört auch das zu einem gelungenen Familienfest.
Offizielle sind alle 15 Sitzungen bis zum Karnevalssonntag ausverkauft. Wer trotzdem noch irgendwie eine Eintrittskarten bekommt, kann sich glücklich schätzen.
Koeln.de, 14.2.2011
Fatal Banal 2011: Karneval quer genial
Köln, 12.2.2011. Ein Zwiegespräch über kölsche Musik ohne Gespräch und ohne Töne? Das gibt es nur bei Fatal Banal 2011. Die alternativen Karnevalisten im Bürgerzentrum Ehrenfeld haben sich dieses Jahr selbst übertroffen und nicht nur mit der Nummer „Wer lesen kann ist klar im Vorteil" - dem Running Gag der sich durch den gesamten Abend zieht. Da stehen zwei Herren vor Rednerpulten und heften Dialoge per DIN-Format an ihre Pulte. So soll einer der Herren auf „Lala lala lala" einen kölschen Sessionshit raten. Bei einem gelingts beim anderen nicht, dafür singt dann das Publikum. Das ist einfach genial gelöst und wenn Sie es nicht glauben, hingehen und staunen, wie viel Lachpotenzial ein weißes Blatt Papier mit dem Aufdruck „Klatschmarsch" und danach „Abmarsch" bereit hält. Denn dann geht das Kopfkino erst so richtig los. Aber auch Sabine Putzler als die „Hessin wohnt jetzt in Köln!" mit Erlebnissen aus der Deutschen Bundesbahn, mit der GEZ oder beim Fernsehkauf im Elektrogerätegroßmarkt ist einfach witzig und toll auf die Bühne performt. Aber auch die Dauerpersiflage des Karnevalsvereins Roggendorf-Thenhoven ist in diesem Jahr noch bissiger und witziger, denn die Roggendorfer ziehen gen Grand Prix und Düsseldorf. Dazu gibt es politisches aus der Kommune, ja auch der Winterdienst bekommt sein Salz ab, aber auch aus Deutschland und der Welt und ganz aktuell werden auch noch die Entwicklungen in Ägypten eingeflochten. Dazu bissige politische Songs von der Fatal-Banal-Band. Fatal Banal ist in diesem Jahr noch würziger, frischer und frecher als in den Jahren zuvor und verdient das Prädikat: „Wer Fatal Banal nicht gesehen hat, der kennt den Kölner Alternativkarneval nicht". Ganz einfach wunderbar genialer Karneval quer und ganz große Kleinkunst :-) Über 25 inspirierende und bissige Programmnummern hat die über 30 köpfige Fatal Banal Gruppe in diesem Jahr auf die Bühne gebracht.report-k.de
Bundeswehr erobert Bettpfannen
Köln, 12.02.2011

(ehu) Sage hinterher keiner, er hätte es nicht gewusst! Denn das blüht uns, wenn nach Abschaffung der Wehrpflicht die Bundeswehr in den Krankenhäusern die Zivis ersetzen muss. Unter Waffenandrohung werden die Soldaten den Patienten die Bettpfannen unterschieben und auf der Kinderstation mit Hubschraubern Krieg spielen. Diese bitterbös-satirische Vision entwickeln die Alternativ-Karnevalisten von „Fatal Banal" in ihrem neuen Programm. Im Bürgerzentrum Ehrenfeld hatte es am gestrigen Freitagabend seine gefeierte Premiere.
Die Alternative zum alternativen Sitzungskarneval feiert in dieser Session ihr 20. Jubiläum. Alt geworden sind die neun Narren auf der Bühne und ihre sechsköpfige Hauskapelle noch lange nicht, sie sind frisch und munter, bissig und spielfreudig, Ihr Spaß überträgt sich ohne Reibungsverlust auf das Publikum. Das erträgt dann auch leicht die ein oder andere Länge oder die Unverständlichkeit manches Liedtextes, der von der Musik übertönt wird. Nein, das sind Kleinigkeiten im großen Ganzen.
Das Themenspektrum ist breit gespannt. Nach seiner Pleite wird der Restbestand von Griechenland bei Aldi verhökert: einen Ministerpräsidenten gibt's für 75 Cent, Costa Cordalis für 99, Inseln sowieso und sogar der Satz des Pythagoras wird verramscht. Chantalls Mutter sucht für ihre Tochter einen Freund - natürlich per Internet und mit den üblichen Selbstbeschönigungen. Dass das mit einer bösen Überraschung endet, liegt nahe.
Ein Vuvuzela-Ensemble macht durch eine poetische Interpretation des Beatles-Hits „Yesterday" das Lärminstrument UEFA-tauglich, und der Roggendorfer Karnevalsverein Blau-Gold, Dauergast bei „fatal banal", will Lena beim Grand Prix ausstechen. Running Gag sind zwei schweigende und gestenreiche Büttenredner, die nur mittels gedrucktem Papier - „Wer lesen kann, ist hier im Vorteil" - miteinander und mit dem Publikum kommunizieren. Letzteres lässt sich dadurch nicht vom Singen und schunkeln abhalten.
Von Stuttgart lernen heißt siegen lernen
„Ruhender Pol" des Programms ist wie immer „Präsi" Christoph Stubbe. Er zeigt sich nicht nur als schlagfertiger Quizmaster beim traditionellen Publikums-Mitmach-Spiel. Mit seinen Moderationen sorgt er für die tagespolitischen Bezüge. Wer hätte etwa gedacht, dass der Protest gegen Stuttgart 21 Vorbild für die - allerdings erfolgreicheren - Revolutionen in Tunesien und Ägypten war?
koeln-nachrichten.de
Fatal Banal - eine fulminante Liebeserklärung an den Kölner Karneval
www.alternativer-karneval.de
20 Jahre Fatal Banal, 20 Jahre alternativer Karneval in Köln Ehrenfeld - und keine Zeit, sich mit Ruhmeskritiken für Vergangenes aufzuhalten: Die Fatal Banal Sitzung 2011 ist die vielleicht frischeste, freudigste und karnevalistischste Sitzung, die die Ehrenfelder bisher auf die Bühne gelegt haben (für mich war es leider [!] erst die dritte Sitzung)! Was heißt hier "alternativer Karneval"? Man wünscht sich, diese Art Karneval zu feiern, wäre mal "alternativlos": So viel Freude, so viel Engagement, so viel Witz und doch zugleich so nah am Publikum dran - so muß, so kann Karneval im Veedel sein und wir schauen erwartungsvoll auf die nächsten 20 Jahre.
Die Session 2011 im Bürgerzentrum Ehrenfeld dauert rund dreieinhalb Stunden bei einer 20minütigen Pause - wie immer ist fürs leibliche Wohl kostengünstig gesorgt und Bier, Kartoffelsalat, Schnitzel und Würstchen sind auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Die Garderobe ist kostenfrei, Tip wird natürlich gerne entgegengenommen...
Schon zu Beginn heizt die Fatal Banal Band mit Frontfrau Bärbel Nolden mit ihrer Version von Jump ordentlich ein. Ein absoluter Ohrenschmaus: immer wenn Higgi Damen ein Saxophonsolo spielen darf! Die Band ist ein absolutes Highlight und braucht sich vor anderen Begleitbands nicht zu verstecken - gerne bleibt man im Anschluss an die Veranstaltung noch etwas länger zur Party mit Livemusik. Doch auch zwischendurch werden gelungene Kompositionen wie "Das kann nur BP" gegeben.
Das Ensemble rund um "Präsi" Christoph Stubbe ist zu den Vorjahren weitgehend gleich geblieben und hat sich gefunden: man merkt, daß die Akteure sich gut verstehen und aufeinander eingespielt sind. Gleichzeitig sind es immer noch Darsteller "Us dr Nohberschaff", die man unter der Woche auch beim Einkaufen auf der Venloer Strasse sieht: nicht "zu" professionell, de Jung, dat Mädche vun nebenan - und dennoch mit ausserordentlichen schauspielerischen Leistungen.
Und die werden erbracht zu allen Themen rund um Ehrenfeld und den Rest der Welt: Der Bundeswehr werden neue Einsatzgebiete im pflegerischen Bereich anempfohlen, natürlich spielt der Fußball eine Rolle und immer wieder steht Köln und der Karneval im Mittelpunkt: Ob nun die Ehrenfelder vom türkischen Kioskbesitzer bis zum Einkäufer im Trainingsanzug bei Aldi zur "griechischen Woche" persifliert werden - man hat sie schon gesehen und kann lachend sagen: "Dat sind die Lück, die künne nix dafür..."
Schon traditionell und immer wieder komisch müht sich "Mutter" Susanne Herrmanns um ihre Tochter "Chantal", mittlerweile 17 und "immer noch" ohne Mann. Sabine Putzler als "Hessin, die jetzt in Köln wohnt" könnte man stundenlang zuhören, wenn sie "hessisch babbelt" - köstlich, ihre Erlebnisse mit der Bundesbahn, der GEZ und dem Fernsehverkäufer ("ich bin ja nicht blöd"...). Auch sonst überzeugt Sabine Putzler mit ihrer Präsenz, ihrer Originalität und ihrem Können jederzeit auf der Bühne und ist (gerade als Hessin?) eine absolute Bereicherung des Kölner Karnevals.
Doch so überzeugend die Leistungen des Ensembles, so souverän und gleichzeitig menschlich der Präsi (der eine schöne Version von "I did it my way" gibt") - die Nummer(n) des Abends gehört Rainer Braun-Paffhausen und Stefan Ostermann. Ihr "Dialog" zeigt, wie man mit wenigen Mitteln, wenn sie denn gekonnt eingesetzt werden, einen ganzen Saal in schallendes Gelächter versetzen kann. Zum Glück kommen Rainer und Stefan 3 x auf die Bühne...; Während vor der Pause eher Sketche und Rede im Vordergrund stehen, verschiebt sich nach der Pause der Schwerpunkt ein wenig in Richtung Gesang - eine Abwechslung, díe der Sitzung durchaus gut tut, kommt doch so eine gelungene Mischung aus Gelächter und Feiern zustande.
Fatal Banal 2011 bietet (alternativen) Karneval vom Feinsten, eben nicht von Profis, aber fast immer professionell gemacht. Bliebe höchstens eines anzumerken: Das Kind, der Besöker us Sülz wußte gar nicht, daß die Ihrefelder Möhn so häufig krische...